Das 'Schwungrad' als Antwort auf negative Verhaltensschleifen

von Gerold Wehde (Kommentare: 0)

Immer ist die wichtigste Stunde die gegenwärtige.
Immer ist der wichtigste Mensch der, der dir gerade gegenübersteht.
Immer ist die wichtigste Tat die Liebe.

Meister Eckhart

 

Dieser Blog ist ein Ausschnitt unseres Vortrags "Liebesrausch und Teufelskreis", den wir derzeit für Paarentwicklung in Norddeutschland halten.

Um es kurz zu sagen, das Schwungrad ist unsere Antwort auf den Teufelskreis. Der Teufelskreis beschreibt die negativen Verhaltensschleifen von Paaren, die sich oftmals von einer Verletzung zur nächsten Enttäuschung bewegen.

Vom 'Schwungrad' sprechen wir also, wenn es darum geht, als Paar aus dem Teufelskreis des negativen Verhaltens auszusteigen. Es geht darum, in der Partnerschaft die Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen. Es geht darum, eine Veränderung einzuleiten, damit ich als 'Mensch in Beziehung'(*) mein Verhalten selbst steuern kann. Diese Fähigkeit ist wichtig, um aus unbewussten Re-Aktionen aussteigen zu können (siehe: "Die 'Vorgarten-Regel' in der Paarbeziehung").

Das erste Schwungrad - ja, es gibt mehrere (!) - bezeichnet die Fähigkeit des Menschen, sich vom Partner abgrenzen und differenzieren zu können.

Das Schwungrad 1 in Beziehungen

 

Mit dieser Grafik verdeutlichen wir das Model der Differenzierung von David Schnarch. Er sagt, dass die erste Fähigkeit die 'Bewahrung eines soliden Selbstwertgefühls' sei. Das bedeutet z.B. dass es eine gute Sache ist, sich selbst zu lieben und sich selbst sagen zu können, dass dieses ICH ein wertvoller Mensch ist. Mit der zweiten Fähigkeit geht es dann darum, in der Lage zu sein, seine eigenen Ängste selbst zu steuern und diese nicht an den Partner zu deligieren. Es geht um die Erkenntnis: "MEIN Partner ist nicht dazu da, MEINE Ängste zu verhindern, indem er sein Verhalten MEINEN Ängsten anpasst."

Für den dritten Schritt im Schwungrad stellen Sie sich einmal vor, dass Sie lernen, sich selbst mehr zu lieben, Ihre Individualität mehr zu zeigen und sich unabhängiger vom Partner zu verhalten - wie reagiert Ihr Partner? Vielleicht mit Zurückhaltung, vielleicht mit Skepsis oder mit Angst. Bestenfalls zeigt sich der Partner mit seinen Bedürfnissen und mit dem eigenen Streben nach mehr Autonomie. Jetzt ist es in unseren Augen wichtig, auf diese Reaktionen des Partners nicht überzureagieren, sich um die eigenen Gefühle zu kümmern und nicht zu versuchen, den Partner zur Übereinstimmung zu zwingen. Im darauffolgenenden vierten Punkt geht es darum, den Wachstumsschmerz auszuhalten, den Veränderung immer mit sich bringt. Wir können nicht etwas verändern, ohne uns zu verändern. Und Veränderung bedeutet auch, liebgewonnenes aber dysfunktionales Verhalten zu korrigieren.


* Aufgrund der sprachlichen Vereinfachung haben wir uns im Folgenden für die maskuline Form "Partner" entschieden. Unsere Überlegungen beziehen sich auf alle Formen der Geschlechtsidentität und sowohl auf heterosexuelle als auch auf homesexuelle Partnerschaften (gw/cb).

Das zweite Schwungrad

Mit dem zweiten Schwungrad laden wir ein, sich an die Anfangszeit der Beziehung zu erinnern: "Wie neugierig waren wir aufeinander?!"
Wir haben den Menschen, der plötzlich in unserem Leben aufgetaucht ist, als unglaubliche Ergänzung gesehen. Wir haben uns mit diesem bis dahin fremden Menschen sehr intim und vertraulich ausgetauscht. Wir wollten immer mehr von ihm wissen und hatten das Gefühl, mit der neuen Liebe und dem, was der neue Partner mitbringt, zu wachsen.

Landen wir durch eine nicht versöhnte Verletzung in einem Teufelskreis, der sich durch negatives Verhalten im Miteinander zeigt, scheint der Zauber der Liebe verflogen. Wir bewerten uns gegenseitig negativ, bewerfen uns mit Du-Botschaften, agieren mit Schuldgefühlen und erzeugen schließlich Trennungsenergie.

Diesem Zustand möchten wir mit dem zweiten Schwungrad entgegentreten:

Das Schwungrad in der Liebe

 

Unsere Einladung für gelingende Paarbeziehung ist: "Gehen Sie zurück an den Anfang Ihrer Beziehung."
Stellen Sie Ihrem Partner wieder 'echte' Fragen, ohne die Antwort zu kennen. Antworten Sie auf die Fragen Ihres Partners, mit der Haltung, dass der Partner Sie kennen lernen möchte. So schaffen Sie neue Begegnungen miteinander, neue Qualitätszeiten, in denen neue Erlebnisse möglich werden.
Kurz gesagt: "Bleiben Sie neugierig, denn Ihr Partner ist ein Geheimnis, das es zu entdecken gilt!"

 

Das dritte Schwungrad

Auch das dritte Schwungrad ist eine Antwort auf einen Teufelskreis. Nämlich auf den, dass die Partner in einer bestimmten Phase ihrer Paarbeziehungen in ein Ringen um "Ich will mehr von und mit Dir!" und "Ich brauche mehr Zeit für mich" hinein kommen.

Diesem Teufelskreis können wir entgegentreten, indem wir lernen, dass mehr Individualität zu mehr Nähe führen kann:

Je mehr desto mehr

Dieses Schwungrad sagt aus, dass mehr Individualität positive Auswirkungen auf die Partnerschaft hat:

  • es entsteht mehr Selbstvertrauen;
  • die Partner erleben weniger emotionale Abhängigkeit;
  • es baut sich eine positive Spannung auf;
  • wir werden wieder neugierig aufeinander;
  • es entsteht eine neue Nähe!

Uns ist klar, dass das einfacher aussieht, als es wirklich lebbar ist. Aber es lohnt sich, den Weg der Entwicklung als Paar auf sich zu nehmen.

 

"Raus aus der Komfort-Zone!"

Das ist der Aufruf an Paare, die wieder mehr Spannung in ihrem Leben und in ihrer Liebesbeziehung wünschen.
Unser Interesse gilt einem positiven Paar-Bild, in dem sich Langzeitbeziehungen und eine lebendig gelebte Liebe nicht ausschließen. Denn auch in langfristigen Paarbeziehungen gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken: in sich selbst und im Partner!

Eine gute Zeit für alle NEU-GIERIGEN!

Sie haben den Vortrag verpasst? Hier unsere nächsten Termie:

Mo. 19.2. um 18:30 im Integralis Institut Bremen

Fr. 3. - So. 5 Aug. 2018 beim Integralis Sommerfest im Tagungshaus MaRah

 

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