Warum ist Entwicklung wichtig - als Paar?

von Claudia Budelmann (Kommentare: 0)

Weh tut es so oder so!!

Gerade habe ich im Newsletter von Bernd Ulrich (Auditorium) gelesen:

"Ich kann gar nicht anders,
als dir Unrecht zu tun,
denn ich kann nicht sehen,
wer du wirklich bist.

Denn ich kann nur sehen,
was ich zu sehen gelernt habe."

Diese Aussage verstehe ich nicht als Rechtfertigung. Sie zeigt, wie häufig es geschehen kann, dass wir unsere(n) Partner(in) auch unwissentlich verletzen.

Mich persönlich motiviert der Gedanke, dass ich die Möglichkeit habe, aus meiner Handlungs- und Beziehungsroutine auszusteigen. Wenn ich meine Prägungen erkenne, die mein Verhalten bestimmen, habe ich die Möglichkeit mich bewusst neu zu entscheiden:

auszusteigen aus einer verletzenden Kommunikation oder Handlungsweise und aus einem kindlichen Verhalten, dass mich nicht weiterbringt. Wenn ich auf mich schaue und mir vorstelle, ich bräuchte mich nicht zurückziehen, schmollen, zurückzischen oder gar Rache üben, dann finde ich das lohnenswert.

Dazu kann auch gehören, dass ich mich dafür entscheide, WIE ich Beziehung leben will. Wenn ich mir z.B. eine Beziehung wünsche, in der ich in einem intensiven Kontakt mit mir und meinem Partner/meiner Partnerin bin, dann könnte ich meinen Partner bitten, mir zu helfen: "Bitte sei so mutig und zeige dich mir!" Und es ist dann an mir, mit dieser Offenheit achtsam umzugehen und mich ebenfalls zu erkennen zu geben.

Manchmal kann es sein, dass wir glauben, dass erfüllende Beziehung mit unserem Partner/unserer Partnerin nicht geht. Das könnte tatsächlich der Fall sein - aber wie wäre es, dir erst einmal selbst auf die Schliche zu kommen?

Noch EINS:

Paarbeziehung leben kann wie eine Abenteuerreise sein.
Sie kann ein ganzes Leben andauern oder nur kurzweilig sein... Und sie kann uns über verwilderte Wege, über Berge von Altlasten und durch Täler voller Emotionen führen. Sie kann uns heraufordern, neue Gangarten zu trainieren und sie kann Himmel und Hölle zugleich sein - und wir haben es in der Hand, dass es nie langweilig wird!

 

Kommentare zum Blog

Ingo Diedrich

Liebe Claudia. Eine tolle Idee: Ein Blog für sich entwickelnde Paare (ist abonniert).
Da ihr Austausch wollt, möchte ich gleich dem Hauptbegriff Entwicklung etwas entgegenhalten. Entwicklung ist zur zentralen Norm unserer Gesellschaft geworden. Ohne sie scheint alles zusammen zu brechen. Sollten wir nicht dann die Paare davor verschonen oder zumindest den Begriff Entwicklung kritisch hinterfragen? Ein kurzer Text dazu auf meinem Blog ;-)
http://ingo-diedrich.de/romantische-liebe.../entwicklung

 

Claudia Budelmann

Lieber Ingo, ich freu mich über dein Feedback! Deine Anregung, aus der gesellschaftlichen Entwicklungsnorm auszusteigen - oder sie noch mehr zu hinterfragen, inspiriert mich - und dein Blog - super! Du schreibst von kokreativ sein - jep, da kann ich voll JA zu sagen. Passend finde ich auch - gemeinsam zu Wachsen! Und doch mag ich dieses Ent-Wickeln auch sehr - raus aus den "alten Verstrickungen" und den "neuen zusammen geschaffenen Verwicklungen" Das kann befreien und "ich mach mein Ding" aber mit dir zusammen - könnte ein neues Paar Mantra werden

Ingo Diedrich

Ja, Entwicklung ist sehr vielschichtig und spannend. Der Satz: ich mach mein Ding, aber mit dir zusammen, sagt mir auch viel. Und doch möchte ich ihn als neue Norm hinterfragen. ;-)

 

Lydia Sophia Wilmsen

Ich glaube, Entwicklung ist maximal die *Norm* in einer kleinen Bubble ;) Für den Rest ist das als Begriff aus der Coaching-Praxis eher unverständlich und auch nicht so erwünscht...
So oder so, Normen zu hinterfragen, finde ich immer super! Doch Entwicklung?! Das ist doch Leben schlechthin ;)
Ich habe noch nicht ganz verstanden, was dein neuer Ansatz ist, lieber Ingo. Kannst du das nochmal erläutern?

 

Ingo Diedrich

Liebe Lydia ich probiers mal:
Leben ist für mich Bewegung, eine bestimmte Art von Bewegung. Dafür gibt es sehr viele Vorstellungen und Begriffe. Ist die Bewegung eine Pulsation, ein Kreislauf usw.?
Entwicklung ist der Begriff der Moderne für diese Bewegung und hat viel mit Fortschritt, mit Evolution usw. zu tun: immer weiter, immer größer, immer differenzierter usw. Entwicklung wird mit einer Richtung gedacht und diese Richtung wird meist positiv bewertet.
Und so kommt es, dass gerade im Kapitalismus (die Wirtschaftsform der Entwicklung) nahegelegt wird, uns immer schneller und besser zu entwickeln. Ansonsten gingen wir unter.
Und dieser Entwicklungsgedanke ist seit ein paar Jahrzehnten wichtiger Maßstab für die Menschen (Individualisierung) und ich denke, dass er sich so langsam auch für Paare durchsetzt. So können sie in dieser Gesellschaft produktiv funktionieren.
Das ist nicht per se schlecht, aber eben auch nicht gut. Ich fände es z.B. spannend wie es wäre die Bewegung des Lebens für Paare als Pulsation zu begreifen oder als Bogen und nicht als Pfeil von links unten nach rechts oben.
Dazu noch ein kleiner Werbeblock:
http://ingo-diedrich.de/selbst-optimierung/entwicklung

 

 

Ingo Diedrich

Hallo Lydia, sagen die Menschen auf Bali auch 'Leben ist Entwicklung'? Und wenn ja, was meinen sie damit?

 

Lydia Sophia Wilmsen

Hey Ingo, lg aus Bali!! :)
Huch, so komplexe Themen hier auf FB wälzen...
Also ein Einstieg für mich als Entwicklungsverfechterin ist: es gab/gibt eine Entwicklung auf der Welt, ganz unabhängig davon ob wir das wollen oder gut finden. Immerhin tapsen ja nicht mehr nur Amöben hier rum...
Aus irgendeinem Grund fängt der Mensch an sich weiterzuentwickeln, von eher affenartigem Verhalten, zu immer komplexeren Denkstrukturen, bestimmten Gehirnarealen, die sich entwickeln, etc.
Das, was auf der Welt ist, lässt sich nicht mehr "entdenken". Die Atombombe kann nicht mehr "deerfunden" werden, es heißt also von dem Punkt aus weiterzugucken. Wir können nicht mehr ins Amöbenstadium zurück, ob wir wollen oder nicht. (Obwohl Alzheimer und ähnliche Erkrankungen sind eine Möglichkeit).
Ich sehe Entwicklung als Spirale, die durchaus pulsieren, mal scheinbar rückwärtsschwingen kann - wie Planeten in retrograde, im Kreis drehen kann. Wenn es kreisförmig wär, dann käme ja eben nichts Neues hinzu.
Jetzt zur Selbst-Optimierung. Deine Kritik verstehe ich - und teile sie in "Teilen". Grundsätzlich ist es mir egal, was andere machen, ob die sich zerschnipseln lassen etc. Mit denen habe ich aber auch nicht so viel zu tun. Ich konzentrier und fokussiere all meine Energie auf die Menschen, die mir zutiefst am Herzen liegen. Und da ist nicht so viel Optimierungs-Wahn.
Optimierung ist für mich nach außen gerichtet. Besser werden für andere.
Entwicklung ist für mich etwas Innerliches und entsteht aus dem Wunsch der Seele heraus (mal ein bisserl spiritueller).
Das Mehr wollen, dass du vielleicht ein bisserl abfälliger betrachtest ;) ist für mich Potenzial, mein Potenzial in die Welt bringen, mehr Menschen erreichen, meine Freude teilen und andere unterstützen, diese Level auch zu erreichen. Klar, ich kann auch Tag ein Tag aus vor meinem Reisfeld sitzen und Erfüllung finden - so viel zu deiner Frage wie es in Bali ist. Für mich ist es das nicht (sonst würde ich es ja tun). Für mich ist es die Weiterentwicklung und damit Seiten an mir immer mehr ins Leben zu holen, die vorher verdeckt waren. Und damit zu reifen. Auf MEINE Art und Weise.
Ich glaube, das ist der einzige Unterschied, dass wir als Menschen unterschiedliche Fähigkeiten, Bedürfnisse und Wünsche haben. Und das recht haben, die auszuleben.

 

Ingo Diedrich

Herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort. Von mir nur kurz:
Amöbe steht für mich nicht für Dummheit, sondern für Lebendigkeit: direkter Kontakt zur Umwelt, Interaktion, Pulsation usw. Wir können dies alles allenfalls differenzierter variieren (z.B. im Denken), mehr aber nicht.

Deinen Wunsch, verdeckte Seiten ins Leben zu holen und die Unterschiede auszuleben, finde ich gut.

Ich habe nichts gegen Entwicklung. Sie ist eine Möglichkeit die Ordnung der Welt zu interpretieren. Ich habe die Gleichsetzung mit Leben hinterfragt.

Ist es OK, wenn ich deinen Text in einem Kommentarfeld auf meinen Blog kopiere?
Viele Grüße ins ferne Bali.

 

Lydia Sophia Wilmsen

klaro!
Ja und diese Ausdifferenzierung ist für mich Entwicklung. Ohne, dass eine Amöbe besser wäre als ein Mensch ;)
Vermutlich denken wir ähnlich und du beziehst dich auf Menschen, die wahnhaft sich verändern wollen und dabei immer unglücklicher und verhärmter werden... Hier laufen ein paar solcher Gestalten im Yoga-Gewand rum

 

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